I hallo alles klar oder eher nicht ...
Christine Dysers Die Ästhetik des Unheimlichen in seltsamen Zeiten
Ed McKeon Zeitgenossenschaft kuratieren
Xenia Benivolski PHANTOM-GLIEDER
Malte Kobel Denken mit Wadada Leo Smith: Kreative Musiktheorie
Marat Ingeldeev Was kostet Kritik? – Reflexionen über Borealis 2026
Kalas Liebfried Begegnungen in Zwischenräumen: der Künstler Beni Brachtel
Henrik Marstal Ein Tanz mit dem Site-Spezifischen: Simon Steen-Andersen wird 50
II SPECIAL
Marat Ingeldeev auf Basis eines Brainstormings der Positionen-Community Stream of Uncanniness
III POSITIONEN
Ensemble Extrakte & Freunde; ATEM Biennial; Jakob Ullmann; Annika Kahrs; Ultraschall Berlin; Sargfabrik experimentell; Arian Robinson; Dark Musik Days; Ana Sokolović; Olga Neuwirth; Sonic Acts Biennial 2026; Georg Friedrich Haas; Sonic Matter; Martin Riches; Opera Forward Festival; Borealis; Bernd Franke; Pierpaolo Dinapoli & Matteo Tundo; MaerzMusik
Als »uncanny« beschreibt das Englische jenes Gefühl des Unheimlichen und latent Bedrohlichen, hinter dem potenziell Abgründe lauern; dem aber zugleich ein Moment des Schrägen und Absonderlichen eigen ist – das in popkultureller Brechung Teil eines medialen Spiels ist und zugleich in jüngster Gegenwart in der Kunsttheorie als Begriff in Hinblick auf etwas grundsätzlich Unverfügbares eine bestimmte Form ästhetischer Erfahrung beschreibt.
Hiervon ausgehend ist diese aktuelle Ausgabe von Gastredakteur und Positionen-Autor Marat Ingeldeev im Geiste der »Uncanniness« kuratiert worden: In ihrem Leitartikel schreibt Christine Dysers von der Ästhetik des Unheimlichen in seltsamen Zeiten, in einem weiter gesteckten Rahmen untersucht Xenia Benivolski in PHANTOM-GLIEDER, wie eine Kunst des Zergliederns und Neu-Zusammenfügens uns mit unseren eigenen Vor-Urteilen ebenso konfrontiert wie mit den vertrauten – und darin umso fragwürdigeren – Gewohnheiten der Wahrnehmung. Ed McKeon in Zeitgenossenschaft kuratieren und Malte Kobel mit Denken mit Wadada Leo Smith: Kreative Musiktheorie fragen nach den ästhetischen, gesellschaftlichen und politischen Präfigurationen unserer Kunstdiskurse, die zwischen vertraut und fremd, zwischen Vergessenheit und Referenz navigieren. Sie schlagen neue Wege vor, die es zu beschreiten gilt, um auf ihnen mit dem Fuß über gewohnte Schwellen zu stolpern – ein Irritationsmoment, das Neues wie Altes befreit.
In seinem eigenen Beitrag reflektiert Marat Ingeldeev anhand seines Besuchs beim Festival Borealis das Unbehagen des Kritikers, der vom Festival Reise- und Hotelkosten gestellt bekommt. Ein Text darüber, wie sich Nähe und Distanz im Schreiben zueinander verhalten – ein Ausloten der Bedingtheiten der Freiheit und der Freiheit innerhalb von Bedingungen, das seinen Ausweg in einem fortgesetzten Gespräch, im Offenhalten der Diskurse findet, in einem riskanten Tanz mit der Verfügbarkeit. Eine gewisse Uncanniness ist auch den klingenden Trompe-l’oeil-Bildern Simon Steen-Andersens eigen. Aus Anlass seines 50. Geburtstags erscheint, in Kooperation mit dem dänischen Musikmagazin Seismograph, Henrik Marstals Portrait des Komponisten. Im Special dieses Heftes findet sich der Stream of Uncanniness, mit einer assoziativen Auswahl aus »uncanny« Musik, Filmen, Texten und Bildern, die von Marat Ingeldeev auf Basis einer Online-Umfrage zusammengestellt wurden.
Ergänzt werden diese Beiträge durch das von Kalas Liebfried geführte Portraitinterview mit dem Klangkünstler, Theatermusiker und Komponisten Beni Brachtel sowie die Umschau über das aktuelle Musikleben in den Positionen.
Viel Spaß beim Lesen und ein leichtes Erschaudern – denn es ist doch alles klar, oder?
Katharina Duda & Sebastian Hanusa